Wissenswertes über Blutkrebs (Leukämie)

Was ist Leukämie?
Leukämie ist eine Krebsart, die durch das abnorme und unkontrollierte Wachstum von Blutzellen im Knochenmark entsteht. Sie kann in allen Altersgruppen auftreten, wird jedoch besonders häufig bei Kindern und Erwachsenen über 50 Jahren beobachtet. Bei frühzeitiger Diagnose steigt die Erfolgsrate der Behandlung deutlich an. Daher ist das rechtzeitige Erkennen der Leukämiesymptome und der rasche Beginn der Behandlung von lebenswichtiger Bedeutung.
Leukämie entsteht durch die schnelle und unkontrollierte Vermehrung von Stammzellen im Knochenmark, bevor diese ihre normale Entwicklung abschließen können. Dieser Zustand betrifft zunächst das Knochenmarkgewebe und kann sich im Laufe der Zeit auf den gesamten Körper ausbreiten. Im Knochenmark werden rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) gebildet. Besonders die weißen Blutkörperchen spielen eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Infektionen und von Zellen mit Tendenz zur Krebsbildung.
Weiße Blutkörperchen können nicht nur im Knochenmark, sondern auch in verschiedenen Organen wie Lymphknoten, Milz und Thymus gebildet werden. Unbehandelt kann Leukämie schwer verlaufen. Leukämien, die auf einer übermäßigen Vermehrung reifer Leukozyten beruhen, verlaufen in der Regel langsam, während Formen mit einem Überschuss unreifer Leukozyten schneller und mit schweren Symptomen innerhalb weniger Wochen oder Monate auftreten können.
Welche Arten von Leukämie gibt es?
Leukämien werden im Allgemeinen nach ihrer Fortschrittsgeschwindigkeit in zwei Hauptgruppen unterteilt: akut (schnell verlaufend) und chronisch (langsam verlaufend). Während akute Leukämien durch schnelle Zellvermehrung und plötzliche Symptome gekennzeichnet sind, kann die Krankheit in chronischen Formen schleichend und über Jahre hinweg verlaufen.
Beide Hauptgruppen werden je nach Typ der abnormal vermehrten weißen Blutzelle in Unterkategorien eingeteilt:
Leukämien, die sich aus myeloischen Zellen entwickeln, werden als „myeloische Leukämie“ bezeichnet,
Leukämien, die von Lymphozyten ausgehen, werden als „lymphoblastische (oder lymphozytische) Leukämie“ bezeichnet.
Es gibt auch seltenere Unterarten der Leukämie (zum Beispiel: juvenile myelomonozytäre Leukämie, Haarzellleukämie).
Die vier häufigsten grundlegenden Leukämie-Untertypen sind:
1. Akute lymphoblastische Leukämie (ALL)
Dies ist der häufigste Typ der bei Kindern auftretenden Leukämien, kann aber auch bei Erwachsenen beobachtet werden. Bei den Patienten vermehren sich unreife, lymphozytäre weiße Blutkörperchen unkontrolliert. Die Überlebensraten bei ALL variieren bei Erwachsenen und Kindern je nach Alter, allgemeinem Gesundheitszustand und Ansprechen auf die Behandlung.
2. Akute myeloische Leukämie (AML)
Sie entsteht durch die abnorme Vermehrung myeloischer Zellreihen, bevor diese ausreifen können. Sie tritt häufig bei jungen Erwachsenen und älteren Menschen auf. Die Behandlungserfolge bei AML nehmen mit den fortschreitenden medizinischen Ansätzen stetig zu.
3. Chronische lymphozytische Leukämie (CLL)
Sie wird meist im höheren Alter, häufig über 60 Jahren, diagnostiziert. In dieser Form sammeln sich reife, aber funktionslose Lymphozyten im Körper an und beeinträchtigen die gesunde Funktion des Knochenmarks und anderer Gewebe.
4. Chronische myeloische Leukämie (CML)
Die CML tritt häufiger im Alter zwischen 25 und 60 Jahren auf. Bei dieser Form vermehren sich myeloische Zellen abnormal. Neue molekular zielgerichtete Medikamente, die das Ansprechen auf die Behandlung verbessern, haben die Überlebensraten erhöht.
Was sind die Symptome einer Leukämie?
Die Symptome der Leukämie können denen anderer Knochenmarkerkrankungen ähneln und umfassen in der Regel Folgendes:
Müdigkeit, Blässe, schnelle Erschöpfung, Kurzatmigkeit (aufgrund von Anämie)
Häufige Infektionen (bedingt durch Schwächung des Immunsystems)
Unerwartete Blutungen aus Nase, Zahnfleisch oder unter der Haut, Blutergüsse und kleine Hautausschläge (Petechien)
Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, nächtliche Schweißausbrüche
Langanhaltende Infektionen mit hohem Fieber
Knochen- und Gelenkschmerzen
Vergrößerung der Lymphknoten in Bereichen wie Hals, Achselhöhlen oder Leiste
Schwellungen an Haut oder Bauch
Leukämie bei Kindern: Symptome und Befunde
Leukämie macht einen bedeutenden Teil der bei Kindern auftretenden Krebserkrankungen aus und ist besonders bei Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren häufiger. Bei Säuglingen nehmen die in der Muttermilch enthaltenen Schutzstoffe in den ersten Monaten allmählich ab und das Immunsystem entwickelt sich eigenständig weiter. In diesem Prozess können bestimmte Virusinfektionen, genetische Veranlagung und Vitamin-D-Mangel das Risiko für die Entwicklung einer Leukämie erhöhen.
Häufig beobachtete Symptome bei Kindern:
Deutliche Blässe der Haut
Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit
Verlängerte oder wiederkehrende fieberhafte Erkrankungen
Blaue Flecken und Schwellungen am Körper
Vergrößerung und Völlegefühl im Bauch
Knochen- oder Gelenkschmerzen
Im Verlauf der Erkrankung können durch die Ausbreitung der Krebszellen auf das zentrale Nervensystem oder andere Organe zusätzliche Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Krampfanfälle auftreten.
Was sind die Risikofaktoren für Leukämie?
Leukämie nimmt weltweit einen wichtigen Platz unter den Krebserkrankungen ein und tritt bei Männern etwas häufiger auf als bei Frauen. Die Risikofaktoren der verschiedenen Leukämie-Untertypen unterscheiden sich:
Akute lymphoblastische Leukämie (ALL)
Obwohl nicht alle Ursachen bekannt sind, können eine hohe Strahlenbelastung, bestimmte chemische Substanzen (z. B. Benzol), frühere Chemotherapie, einige Virusinfektionen (HTLV-1, Epstein–Barr-Virus) und bestimmte genetische Erkrankungen (Down-Syndrom, Fanconi-Anämie) das Risiko für ALL erhöhen.
Akute myeloische Leukämie (AML)
Genetische Mutationen, ein mit dem Alter steigendes Risiko, Rauchen, bestimmte Bluterkrankungen oder eine Vorgeschichte mit Chemotherapie sowie das Down-Syndrom sind bekannte Risikofaktoren für AML.
Chronische lymphozytische Leukämie (CLL)
Die Ursache der CLL ist nicht vollständig geklärt. Dennoch erhöhen fortgeschrittenes Alter, männliches Geschlecht, Kontakt mit bestimmten Chemikalien und eine familiäre Vorgeschichte von CLL das Risiko.
Chronische myeloische Leukämie (CML)
Die CML ist in der Regel mit einer im Laufe des Lebens erworbenen (nicht vererbten) genetischen Veränderung verbunden. Eine als „Philadelphia-Chromosom“ bezeichnete genetische Veränderung wird bei der großen Mehrheit der CML-Fälle festgestellt und führt zu einem unkontrollierten Wachstum der Zellen im Knochenmark.
Wie wird Leukämie diagnostiziert?
Ziel der Leukämiediagnose ist es, das Vorliegen der Erkrankung, ihren Subtyp und ihre Ausbreitung korrekt zu bestimmen. Im Diagnoseprozess werden hauptsächlich folgende Schritte durchgeführt:
Detaillierte Anamnese und körperliche Untersuchung: Es werden Blässe als Hinweis auf Anämie, Vergrößerung der Lymphknoten oder Organe sowie Hautveränderungen beurteilt.
Blutuntersuchungen: Es werden ein vollständiges Blutbild, biochemische Analysen, Leberfunktionstests und Gerinnungstests durchgeführt.
Peripherer Blutausstrich: Wird zur Untersuchung des Vorhandenseins abnormaler Zellen im Blut verwendet.
Knochenmarkbiopsie/-aspiration: Zur endgültigen Diagnose, insbesondere bei akuten Fällen, wird eine aus dem Knochenmark entnommene Probe mikroskopisch untersucht.
Genetische und molekulare Tests: Besonders bei CML werden das Philadelphia-Chromosom und die BCR-ABL-Genveränderung untersucht.
Die Knochenmarkbiopsie wird meist über das Hüftbein durchgeführt und in spezialisierten Laboren ausgewertet.

Was wird in der Behandlung von Leukämie angeboten?
Der Behandlungsplan sollte unbedingt unter Berücksichtigung des Leukämietyps und des allgemeinen Gesundheitszustands des Patienten von einem Expertenteam für Hämatologie und Onkologie erstellt werden. Zu den heute bei der Behandlung von Leukämie angewandten Hauptmethoden gehören:
Chemotherapie
Mit verschiedenen Chemotherapeutika wird angestrebt, die abnormalen Zellen zu beseitigen. Welche Medikamente in welcher Form eingesetzt werden, richtet sich nach dem Typ der Leukämie und der individuellen Situation des Patienten.
Strahlentherapie
Mit Hilfe hochenergetischer Strahlen sollen Leukämiezellen zerstört werden. Die Strahlentherapie wird in der Regel in ausgewählten Fällen, manchmal auch zur Vorbereitung auf eine Stammzelltransplantation eingesetzt.
Biologische und molekularbasierte Therapien
Neue Generationen von Medikamenten (Immuntherapie, biologische Wirkstoffe, molekular zielgerichtete Therapien), die das Immunsystem stärken oder gezielt Krebszellen angreifen, spielen bei einigen Leukämiearten eine wichtige Rolle. Beispielsweise haben Tyrosinkinase-Inhibitoren, die für die CML entwickelt wurden, einen Durchbruch in der Behandlung dieser Erkrankung erzielt und weisen im Vergleich zur Chemotherapie ein günstigeres Nebenwirkungsprofil auf.
Stammzell- (Knochenmark-) Transplantation
Dieses Verfahren, bei dem das Knochenmark vollständig entfernt und durch gesunde Stammzellen ersetzt wird, gehört zu den wirksamsten Therapieoptionen und wird bei geeigneten Patienten angewendet. Während und nach dem Eingriff können bestimmte Nebenwirkungen auftreten. Besonders Probleme im Zusammenhang mit dem Immunsystem (z. B. GVHD), Organschäden und das Infektionsrisiko sollten berücksichtigt werden. Daher sollte die Transplantation in erfahrenen Zentren durchgeführt werden.
Unterstützende Therapien
Um das Risiko von Anämie, Infektionen und Blutungen infolge von Chemotherapie und anderen Behandlungen zu verringern, sind Bluttransfusionen, infektionverhütende Medikamente, gegebenenfalls Antibiotika und andere unterstützende Therapien erforderlich.
Dank moderner Therapieansätze sind die Überlebensraten bei Leukämiepatienten in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Während die 5-Jahres-Überlebensrate in den 1970er Jahren bei etwa 30 Prozent lag, wird heute berichtet, dass diese Rate mit geeigneter Behandlung und früher Diagnose auf über 60 Prozent gestiegen ist.
Denken Sie daran: Wenn Symptome bemerkt werden, ist es für die Lebensqualität und den Verlauf der Krankheit von großem Vorteil, ohne Zeitverlust eine Gesundheitseinrichtung aufzusuchen, um eine frühzeitige Diagnose und wirksame Behandlung zu ermöglichen.
Häufig gestellte Fragen
1. Ist Leukämie ansteckend?
Nein, Leukämie ist keine ansteckende Krankheit. Sie entsteht durch genetische Veränderungen, Umwelt- und individuelle Risikofaktoren und wird nicht von Person zu Person übertragen.
2. Was verursacht Leukämie genau?
Die genaue Ursache der Leukämie ist meist unbekannt. Allerdings können genetische Faktoren, bestimmte chemische Substanzen, Umweltfaktoren wie Strahlung und einige Viren das Risiko erhöhen.
3. Ist Leukämie heilbar?
Viele Leukämiearten können insbesondere bei früher Diagnose und geeigneter Behandlung kontrolliert oder vollständig beseitigt werden. Die Heilungschancen hängen vom Alter des Patienten, dem Allgemeinzustand und dem Leukämietyp ab.
4. Wie lange leben Menschen mit Leukämie?
Die Überlebensdauer bei Leukämie steht in engem Zusammenhang mit dem Typ der Erkrankung, dem Zeitpunkt der Diagnose, dem Ansprechen auf die Behandlung und den individuellen gesundheitlichen Merkmalen. Heute ist mit erfolgreichen Therapien ein langes Überleben möglich.
5. Warum tritt Leukämie bei Kindern häufiger auf?
Bei Kindern können bestimmte genetische und immunologische Eigenschaften in Kombination mit Umweltfaktoren eine Anfälligkeit für Leukämie verursachen. Bei den meisten Kindern kann jedoch keine eindeutige Ursache festgestellt werden.
6. Ist eine Knochenmarktransplantation für jeden geeignet?
Nein, eine Knochenmarktransplantation wird nicht jedem Patienten empfohlen. Die Eignung wird von Ärzten anhand des Alters des Patienten, des allgemeinen Gesundheitszustands, des Subtyps der Erkrankung und anderer medizinischer Faktoren beurteilt.
7. Mit welchen anderen Krankheiten können Leukämiesymptome verwechselt werden?
Leukämie kann mit den Symptomen einiger Infektionen, Anämieformen und anderer Bluterkrankungen verwechselt werden. Eine Differentialdiagnose erfolgt durch vollständige Blutuntersuchungen und weiterführende Untersuchungen.
8. Ist es möglich, Leukämie vorzubeugen?
Auch wenn eine vollständige Vorbeugung nicht möglich ist, helfen der Verzicht auf Rauchen und schädliche Chemikalien, die Entwicklung gesunder Lebensgewohnheiten und regelmäßige Gesundheitskontrollen, die Krankheit frühzeitig zu erkennen.
9. Sind Leukämiepatienten anfälliger für Infektionen?
Ja, das Knochenmark und das Immunsystem sind betroffen. Daher ist es wichtig, auf Hygiene zu achten, Menschenmengen und infizierte Umgebungen zu meiden und gegebenenfalls vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.
10. Kommt es bei Leukämie zu Haarausfall?
Einige während der Behandlung verwendete Medikamente (insbesondere Chemotherapie) können Haarausfall verursachen. Diese Wirkung ist in der Regel vorübergehend und nach der Behandlung können die Haare wieder nachwachsen.
11. Ist Leukämie erblich?
Eine erbliche Übertragung liegt bei den meisten Leukämiefällen nicht vor. Allerdings können einige genetische Syndrome das Risiko für die Entwicklung einer Leukämie erhöhen.
12. Worauf sollte während der Leukämiebehandlung geachtet werden?
Es ist wichtig, sich vor Infektionen zu schützen, ärztliche Empfehlungen genau zu befolgen, regelmäßige Kontrollen nicht zu vernachlässigen und das medizinische Team über Nebenwirkungen zu informieren.
Quellen
Weltgesundheitsorganisation (WHO): Leukemia
Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention der USA (CDC): Leukemia Patient Facts
American Cancer Society: Leukemia Overview
European Hematology Association: Leukemia Guidelines
Cancer Research UK: Leukemia Types and Treatments