Ohrensausen (Tinnitus): Was ist es, warum tritt es auf und was sollte unternommen werden?

Was ist Ohrensausen?
Ohrensausen, medizinisch als Tinnitus bezeichnet, ist ein häufiges Symptom, das durch die Wahrnehmung von Geräuschen im Ohr oder Kopf ohne äußere Schallquelle, entweder dauerhaft oder intermittierend, gekennzeichnet ist. Dieses Geräusch kann meist als Klingeln, Summen, Brummen, Pfeifen, Pulsschlag oder Rauschen beschrieben werden. Diese Geräusche, die von anderen in der Umgebung nicht wahrgenommen werden können, können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der betroffenen Person haben.
Tinnitus tritt häufiger bei Menschen über 40 Jahren und insbesondere bei älteren Personen auf; jedoch kann es alle Altersgruppen betreffen und auch bei Kindern vorkommen. Es ist normal, dass jeder gelegentlich ein vorübergehendes Ohrensausen erlebt, aber wenn es dauerhaft wird, kann dies auf eine zu beachtende Situation hinweisen.
Wie wird Ohrensausen empfunden?
Tinnitus kann in der Regel in einem Ohr (rechts oder links) oder in beiden Ohren gleichzeitig empfunden werden. Manchmal kann das Geräusch auch im Inneren des Kopfes wahrgenommen werden. Die betroffene Person kann dieses Geräusch als Klingeln, Glockenton, Maschinensummen oder als einem Pulsschlag ähnliches Geräusch beschreiben. Die Intensität und Art des Geräusches kann von Person zu Person unterschiedlich sein; bei manchen ist es leicht und vorübergehend, bei anderen hingegen dauerhaft und störend.
Starkes Ohrensausen kann das tägliche Leben und die Arbeitsleistung negativ beeinflussen und in schweren Fällen zu Stress, Angstzuständen und Schlafproblemen führen. Besonders nachts und in ruhigen Umgebungen kann das Ohrensausen intensiver werden.
Was sind die Hauptursachen für Ohrensausen?
Tinnitus kann durch viele verschiedene Ursachen entstehen. Die häufigsten Ursachen sind:
Hörverlust: Besonders häufig bei altersbedingtem oder durch Lärmschädigung verursachtem Hörverlust.
Längere Lärmbelastung: Industrielärm, Konzerte, Baumaschinen, Schusswaffen und andere laute Geräusche können die Zellen des Innenohrs schädigen.
Ohrinfektionen: Mittelohrentzündungen, Flüssigkeitsansammlungen im Ohr oder Schäden am Trommelfell können zu Ohrensausen führen.
Ohrenschmalz (Cerumen): Übermäßige Ansammlung von Ohrenschmalz kann das Ohr verstopfen und vorübergehenden Tinnitus verursachen.
Erkrankungen des Kreislaufsystems: Besonders mit dem Puls synchrones Ohrensausen (pulsatiler Tinnitus) kann bei Gefäßverschlüssen, Aneurysmen oder Bluthochdruck auftreten.
Kopf-, Halsverletzungen und Kiefergelenkstörungen: Besonders im Zusammenhang mit Erkrankungen des Kiefergelenks (Temporomandibulargelenk).
Verwendung bestimmter Medikamente (ototoxische Medikamente): Hochdosiertes Aspirin, einige Antibiotika, Diuretika und Chemotherapeutika können den Hörnerv schädigen und Ohrensausen verursachen.
Metabolische und neurologische Probleme: Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Anämie, Menière-Syndrom, einige Nervenkrankheiten und psychiatrische Störungen gehören ebenfalls zu den Risikofaktoren.
Stress und Angst: Auch wenn sie nicht alleinige Ursache sind, können sie bestehendes Ohrensausen verstärken und die Toleranz erschweren.
Seltener können auch schwerwiegende Grunderkrankungen wie Tumore oder Gefäßanomalien als Ursache für Tinnitus auftreten.
Welche Arten von Tinnitus gibt es?
Ohrensausen wird je nach zugrunde liegender Ursache und dem vom Patienten wahrgenommenen Geräusch klassifiziert:
Subjektiver Tinnitus: Die häufigste Form. Wird nur vom Patienten selbst wahrgenommen. Ist meist mit einer Störung des Hörsystems verbunden.
Objektiver Tinnitus: Ein Ohrensausen, das sowohl vom Patienten als auch vom Untersucher mit speziellen Geräten wahrgenommen werden kann. Es ist selten und entsteht meist durch vaskuläre oder muskuläre Ursachen (z. B. Gefäßanomalien in der Nähe des Ohrs).
Je nach Charakter der Beschwerde kann das Ohrensausen intermittierend oder dauerhaft sein, in einem oder beiden Ohren auftreten und Art sowie Frequenz des Geräusches können von Person zu Person variieren.
Welche Symptome treten bei Ohrensausen auf?
Das auffälligste Symptom ist die Wahrnehmung eines Geräusches im Ohr oder Kopfbereich ohne äußere Schallquelle. Zusätzlich können folgende Befunde auftreten:
Hörverlust
Konzentrationsschwierigkeiten
Gleichgewichtsprobleme
Bei manchen Menschen eine Überempfindlichkeit gegenüber Umgebungsgeräuschen (Hyperakusis)
Schlaflosigkeit und Unruhe
Seltener können auch Schwindel, ein Gefühl der Fülle im Ohr und Angstzustände als weitere Symptome hinzukommen.
Wie läuft der Diagnoseprozess bei Ohrensausen ab?
Der erste Schritt bei der Diagnose von Tinnitus ist eine ausführliche Anamnese und eine HNO-Untersuchung. Der Arzt erkundigt sich nach Dauer, Art, begleitendem Hörverlust oder anderen Symptomen. Anschließend;
Audiologische Untersuchungen (Hörtests)
Gegebenenfalls radiologische Untersuchungen (wie MRT, CT)
Blutuntersuchungen und falls nötig Gleichgewichtstests können durchgeführt werden.
Mit diesen Methoden wird versucht, die Ursache des Ohrensausens zu ermitteln und gegebenenfalls eine Überweisung an die entsprechenden Fachbereiche vorzunehmen.
Aktuelle Methoden zum Umgang mit Ohrensausen
Auch wenn eine vollständige Beseitigung des Tinnitus nicht immer möglich ist, können die Beschwerden meist gelindert und die Lebensqualität verbessert werden. Die Behandlung erfolgt unter folgenden Gesichtspunkten:
Behandlung der zugrunde liegenden Ursache: Spezifische Maßnahmen wie Entfernung von Ohrenschmalz, Behandlung von Ohrinfektionen, Kontrolle von Bluthochdruck oder Schilddrüsenerkrankungen können durchgeführt werden.
Anpassung der Medikation: Medikamente mit möglichen Nebenwirkungen werden unter ärztlicher Kontrolle überprüft.
Hörgeräte bei Hörverlust: Bei Tinnitus in Verbindung mit Hörverlust können Hörgeräte sowohl das Hören als auch das Ohrensausen verbessern.
Tinnitus-Masker (Weißrauschgeräte): Helfen, das Ohrensausen zu überdecken; besonders nachts und in ruhigen Umgebungen können sie entspannend wirken.
Klangtherapien und verhaltenstherapeutische Ansätze: Kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken, Meditation und Methoden zur Stressreduktion sind sehr wirksame Optionen zur Bewältigung der durch Tinnitus verursachten Beschwerden.
Anpassungen des Lebensstils: Schutz vor Lärm, gesunder Schlafrhythmus, regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung können helfen, die Beschwerden zu kontrollieren.
Unterstützende Therapien: In seltenen Fällen können medikamentöse oder weitergehende interventionelle Maßnahmen erforderlich sein.
Chirurgische Ansätze: Selten kann bei vaskulären oder strukturellen Problemen ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden.
Es sollte nicht vergessen werden, dass Tinnitus manchmal das erste Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung sein kann. Bei langanhaltendem oder zunehmendem Ohrensausen sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden.
Was kann zur Vorbeugung von Ohrensausen getan werden?
Verwendung von Gehörschutz in lauten Umgebungen
Vermeidung von langem Hören lauter Musik
Beachtung der Ohrhygiene, Verzicht auf Wattestäbchen
Regelmäßige Kontrolle chronischer Erkrankungen
Keine unnötige und unbewusste Medikamenteneinnahme
Stressmanagement
Häufig gestellte Fragen
1. Warum tritt Ohrensausen auf?
Ohrensausen kann häufig durch Hörverlust, Lärmbelastung, Ohrinfektionen, Ansammlung von Ohrenschmalz, Kreislaufprobleme oder Nebenwirkungen bestimmter Medikamente verursacht werden. Manchmal lässt sich keine eindeutige Ursache finden.
2. Wird Ohrensausen durch Stress verstärkt?
Ja, Stress kann die Wahrnehmung und Intensität der Tinnitus-Symptome verstärken. Stressmanagement spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Ohrensausens.
3. Ist einseitiges Ohrensausen besorgniserregend?
Ein plötzlich einsetzendes oder dauerhaft bestehendes Ohrensausen in einem Ohr kann, wenn auch selten, ein Hinweis auf ernsthafte Probleme wie Tumore des Hörnervs oder vaskuläre Anomalien sein. In einem solchen Fall ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen.
4. Verschwindet Ohrensausen vollständig?
In einigen Fällen kann die Ursache des Ohrensausens behandelt werden und die Beschwerden verschwinden. In vielen Fällen kann es jedoch, auch wenn es nicht vollständig verschwindet, mit geeigneten Methoden kontrolliert werden.
5. Welche Medikamente können Ohrensausen verursachen?
Einige Antibiotika (z. B. Aminoglykoside), Chemotherapeutika, hochdosiertes Aspirin und bestimmte Diuretika können durch ototoxische Wirkung zu Ohrensausen führen.
6. Tritt Tinnitus immer gemeinsam mit Hörverlust auf?
Nein, Tinnitus tritt nicht immer zusammen mit Hörverlust auf. Wenn jedoch ein Hörverlust vorliegt, ist das Risiko für Ohrensausen erhöht.
7. An welche Fachrichtung sollten sich Menschen mit Ohrensausen wenden?
Zunächst wird eine Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Facharzt empfohlen. Falls erforderlich, kann eine Überweisung an die Audiologie oder andere Fachbereiche erfolgen.
8. Was wird empfohlen, um Tinnitus zu Hause zu lindern?
Das Erzeugen von leichtem weißen Rauschen (wie Radio, Ventilator, Wassergeräusch) in einer ruhigen Umgebung, Stressbewältigung, ausreichender Schlaf und das Meiden von lauten Geräuschen können die Beschwerden lindern.
9. Sind Weißrauschmaschinen wirksam?
Weißrauschmaschinen oder Geräte, die Naturgeräusche abspielen, können die Wahrnehmung des Tinnitus verringern und zu einem erholsamen Schlaf beitragen.
10. Ist psychologische Unterstützung oder Therapie notwendig?
Wenn Tinnitus mit Unruhe, Angst oder Depression einhergeht, kann psychologische Unterstützung wie kognitive Verhaltenstherapie hilfreich sein.
11. Tritt Tinnitus auch bei Kindern auf?
Tinnitus kann auch bei Kindern auftreten, ist jedoch seltener als bei Erwachsenen. Selten kann er durch Hörverlust, Infektionen oder Fremdkörper verursacht werden.
12. Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?
Wenn der Tinnitus plötzlich, einseitig und stark auftritt oder mit Hörverlust, Schwindel oder anderen neurologischen Symptomen einhergeht, wird empfohlen, unverzüglich einen Facharzt aufzusuchen.
13. Kann Tinnitus ein Anzeichen für Krebs sein?
Selten können bestimmte Tumoren am Hörnerv oder Hirnstamm sich durch Tinnitus bemerkbar machen. Bei langanhaltendem, einseitigem und fortschreitendem Tinnitus ist eine Abklärung erforderlich.
14. Entwickelt sich Tinnitus nach Kopf- und Halsverletzungen?
Ja, nach einem Trauma können Ohr- und Kopfrauschen auftreten; in diesem Fall ist eine detaillierte Untersuchung und Bewertung notwendig.
15. Welche Behandlungsmethoden sind derzeit bei Tinnitus wirksam?
Zu den aktuellsten Methoden zählen die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung, Hörgeräte, Klangtherapien, kognitive Verhaltenstherapie, Weißrauschgeräte und Änderungen des Lebensstils.
Quellen
Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization) – Deafness and hearing loss
National Institutes of Health (NIH) – Tinnitus: Causes, Diagnosis and Treatment
Amerikanische Akademie für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie (American Academy of Otolaryngology–Head and Neck Surgery)
Mayo Clinic – Tinnitus overview
British Tinnitus Association – Tinnitus factsheets